Glossar

Allgemeines Auswahlglossar zur Buch-, Druck- und Graphikgeschichte

Für eigene Zwecke angelegt, möglicherweise mit Nutzen für Dritte.
Wird kontinuierlich erweitert und überarbeitet.
Ceci n’est pas un glossaire.


Inhalt: A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y ZLiteratur


Legende:
extL = externer Link
LGB X,XXX = Verweis zum: Lexikon des gesamten Buchwesens Bandnummer, Seitenzahl (vgl. Literatur)
RSB XXX: Verweis zu: Reclams Sachlexikon des Buches Seitenzahl (vgl. Literatur)

Obwohl offensichtlich unwissenschaftlich, habe ich aus pragmatischen Gründen regelmäßig Links zur Wikipedia gesetzt, da hier im Regelfall Beispielabbildungen zu finden und die Artikel frei zugänglich sind.


A

B

Bildertitel: Das Titelblatt einschließlich des Titeltextes wird als große, meist ganzseitige Abbildung/geschlossene bildliche Darstellung realisiert; Angaben zu Autor, Haupttitel, Verlagsort und -jahr werden in das Bild montiert. Vgl. auch den Kupfertitel. [RSB 70]

Buchdecke: Beschreibt den gesamten Teil des Bucheinbandes, der den Buchblock umschließt, also: Buchdeckel, Rücken/Rückeneinlage, und dem Bezug. [RSB 88f.]

Buchformat: In der Zeit vor den „Instruktionen für die Katalogisierung in preußischen Bibliotheken“ (1907), in jedem Fall jedoch für Publikationen, die vor dem Jahr 1800 erschienen sind, ist noch das bibliographische Buchformat anzugeben, das die Zahl der Blätter je Druckbogen angibt (die Zahl der Blätter also, die sich durch Falz und späteren Beschnitt der Druckbögen ergeben; erhebliche Teile der Druckauflagen wurden früher bogenweise an Buchbinder verkauft, die erst die Endherstellung und den Einband des fertigen Buches vornahmen, insbesondere bei auf Massenabsatz ausgerichteten Medien wie populären Kalendern war dies üblich). [RSB 94f.]

Wichtige Buchformate/Formatklassen:

Folio (2°) (2 Blätter/4 Seiten je Bogen)
Quart (4°) (4 Blätter/8 Seiten je Bogen)
Oktav (8°) (8 Blätter/16 Seiten je Bogen, usf.)
Duodez (12°)
Sedez (16°)
Oktodez (18°) (selten)
Vigesimoquart (24°)
Trigintaduodez (32°)
Quadragesimooctav (48°)
Sexagesimoquart (64°)

Zudem entstehen Zwischenformate (z.B. Lang-Duodez), später werden die Formate auch weiter konkretisiert: gr. 8°, kl. 8° usf.

Das bibliografische Buchformat erfasst die tatsächliche Rückenhöhe zwar nur ungefähr, ist vor 1800 jedoch die Regelangabe. Wichtig ist es nicht zuletzt deshalb, weil spezische Medienformen, Gattungen und inhaltliche Profile üblicherweise mit bestimmten Formaten verknüpft waren, mit deren Nennung entsprechend auch eine klare Erwartungshaltung seitens des Käufers einherging. Das Format lässt sich übrigens ohne Weiteres über den Nachvollzug der Bogensignatur ermitteln. Simples Ausmessen ist nicht sinnvoll: je nach Beschnitt und Größe des Druckbogens können die Rückenhöhen selbst unterschiedlicher Formate identisch sein (entsprechend vor allem bei Kleinformaten der Fall). Bei Publikationen von geringem Umfang und in kleinerem Format, deren Korpus/Buchblock einen Bogen nicht überschreitet, lässt sich das Format bisweilen nicht mit letzter Sicherheit angeben (Beispiel: bei einem Band mit nur 22 Seiten, dessen Blätter ausschließlich die Signaturen eines bzw. des ersten Bogens aufweisen – also A1, A2, A3 ff. -, kann es sich nicht mehr um einen Oktavband (8°), allerdings ebenso gut um einen Duodezband (12°) oder einen größeren Sedezband handeln, usf.).

Buchschnitt (aufteilbar in Kopf-, Vorder-, Fußschnitt): Offene Seiten des Buchblocks, der bei (glattem, flächigem) Beschnitt des Buchblocks und im Fall hochwertigerer Ausgaben häufig dekorativ verziert bzw. eingefärbt wurde. Häufige Form der Schnittverzierung ist der Metallschnitt (Goldschnitt, Silberschnitt), der schon bei elaborierten Almanachen des späten 18. Jahrhunderts häufig anzutreffen ist. Daneben gibt es auch Farbschnitte wie den Sprengschnitt (ähnlich in der Anfertigung: Kreideschnitt) oder den ebenfalls verbreiteten Marmorschnitt [Bsp., extL]) etc. Die Schnittverzierung kann auch nur auf einer der drei offenen Seiten angebracht sein, bspw. dem Vorderschnitt oder dem Kopfschnitt [RSB 449f.] Auch Handmarken (z.B. zu Buchstabenbereichen in Wörterbüchern) können ausschließlich auf dem Buchschnitt angebracht sein.

C

D

Dublüre > s. Spiegel

E

Exlibris: Meist grafisch gestalteter und in unterschiedlichen Größen und Formen eingeklebter Besitznachweis in Büchern, i.d.R. auf dem vorderen Spiegel. Die Abbildungen sind häufig allegorisch gestaltet oder bieten symbolische oder heraldisch-genealogische Verweise zum Besitzer. Früher teils auch von Beginn eingedruckt und vom Käufer mit den eigenen Angaben zu ergänzen und auszufüllen (Universal-Exlibris). [RSB 201]

F

fliegendes Blatt > s. Vorsatz

Format > s. Buchformat

Frontispiz (Bildertitel) = ganzseitige Abbildung/Bildtafel auf der dem Titelblatt gegenüberliegenden Seite (d.i. häufig die verso-Seite des Schmutztitels), häufig mit allegorischen Darstellungen, Porträts der/s Verfasser/s/in oder einer oder mehrerer zugeeigneter Personen; nicht zu verwechseln mit dem Titelkupfer [Wiki & Bsp, extL] [RSB 229]

G

Gestochener Titel > s. Titel, gestochen

H

I

J

K

Kupfertitel: Die gesamte Titelseite wird als ganzseitiger (Tafel), geschlossener, bildlicher Kupferstich realisiert. Der Titeltext ist Teil der Abbildung und nicht mit beweglichen Lettern/Typen gesetzt. Häufig ist er innerhalb einer allegorischen oder landschaftlich-idealisierten Darstellung auf hier dargestellten oder angedeuteten Gegenständen (wie Monumenten, Epitaphen, natürlichen Wänden oder Mauern) angebracht. Gehört zu den Bildertiteln. [Wiki & Bsp, extL] [RSB 316]

L

M

N

O

P

Q

R

S

Spiegel: Das auf der Innenseite der Buchdeckel fest angebrachte/aufgeklebte Papierblatt, das die Rückseite der Deckel und die Einschläge von dessen Bezug verdeckt. Dient gleichermaßen der Haltbarkeit von Bezug und Einband und der Ästhetik. [RSB 471] Wenn es sich nicht um einfachen Stoff oder um Papier handelt, sondern die Innenseite ähnlich reich gestaltet ist wie der Buchdeckel (oder sogar noch aufwendiger verziert ist), spricht man hingegen von einer Dublüre.

Schmutztitel, Schmutztitelblatt (Schutztitel, Vortitel, Vorsatztitel): Dem Titelblatt unmittelbar vorgeschaltete Leerseite, (heute) zumeist mit Kurztitel, zugleich erstes Blatt des Buchblocks. Auf der Rückseite des Schmutztitels befindet sich im Regelfall (und falls vorhanden) das Frontispiz (heute oft auch die Angaben zur Reihen-/Serienzugehörigkeit einer wissenschaftlichen Publikation). [RSB 448f.]

Schnittverzierung > s. Buchschnitt

T

Titelkupfer: In Kupfer gestochene bildliche Darstellung auf der Titelseite, entweder als Titelvignette oder beispielsweise auch umlaufend/rahmend. Aber: Die Abbildung nimmt nur einen Teil der Seite ein. Nicht im Sinne von Bordüren/Ornamentik, und der Titeltext ist nicht Teil des Stiches/der Abbildung (in dem Fall handelt es sich um einen Kupfertitel). [Wiki & Bsp, extL] [RSB 493]

Titel, gestochen: Titeltext ist nicht mit Typen/beweglichen Lettern gesetzt, sondern in Kupfer gestochen (die Schrift ist also mehr oder weniger in eine Kupferplatte „geschrieben“ worden), üblicherweise wird das gesamte Titelblatt (Haupt- und Nebentitel, Verfasser-, Verlags- und Jahresangabe mit Vignetten oder ähnlichem Schmuck) auf einer Kupferdruckplatte gestochen, das Titelblatt ist faktisch also ein Abzug der Platte. In der Regel für vergleichweise hochwertige Ausgaben gebraucht, zumeist findet sich wie bei Bildtafeln oder bildlichen Darstellungen auch ein Künstlerhinweis, i.d.R. am Seitenende, unterhalb der Verlags- oder Jahresangabe. Ebenfalls nicht zu verwechseln mit dem Titelkupfer. [Bsp, extL]

U

Universal-Exlibris > s. Exlibris

V

Vorsatz (Vorsatzblatt, fliegendes Blatt): (Stabileres, gröberes) Blatt, das jeweils zu Beginn und am Ende zwischen den Buchdeckeln und dem Buchblock angebracht ist und beide verbindet. Damals wie heute gerne für Besitzerangaben oder Bibliothekssignaturen verwendet. [RSB 530]

W

X

Y

Z

Zimelie: wertvoller, sehr seltener oder sogar unikaler Druck oder aufwendiges Manuskript, teilweise auch über das Bibliotheks- und Archivwesen hinaus verwendet. [RSB 553] Entspricht dem Rarissimum.

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Literatur, in Auswahl:

Im Glossar referenziert, mit weiteren Informationen und Hinweisen zur Forschungsliteratur:

Lexikon des gesamten Buchwesens (LGB). Hrsg. von Severin Corsten (bis Bd. 7, danach wechselnd). 9 Bde. 2., völlig neu bearb. und erw. Aufl. Stuttgart, Hiersemann 1987-2016. [Aus fachlicher Sicht das Nonplusultra]

Reclams Sachlexikon des Buches. Hrsg. von Ursula Rautenberg. Stuttgart, Philipp Reclam jun. 2003. [Praktisches kleines Nachschlagewerk für den eigenen Handapparat mit einigen hilfreichen, überwiegend schematischen Abbildungen, mittlerweile in dritter Aufl. erschienen, auch antiquarisch gut erhältlich]


Weitere Nachschlagewerke in Auswahl

Vor 1900:

Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats= Stadt= Haus= und Landwirthschaft. 242 Bde. 1773-1858.

Vollständiges Real-Lexikon der Buchdruckerkunst und der ihr verwandten Graphischen Künste und Gewerbe. Hrsg. von Aug[ust] Marahrens. Erster Band: A-Lehre vom Annoncensatz. Fulda, Köppel 1877. [nur Bd. 1 erschienen]

Nach 1900:

Lexikon der Buchkunst und Bibliophilie. Hrsg. von Karl Klaus Walther. München et al., Saur 1988. Auch als Lizenzausgabe: Augsburg, Weltbild 1994. 2006 neuaufgelegt als: Lexikon der Buchkunst und der Bibliophilie. Hamburg, Nikol.

Markus Stegmann, René Zey: Lexikon der graphischen Künste. Techniken und Stile. Reinbek bei Hamburg, Rowohlt 1992.

Helmut Hiller, Stephan Füssel: Wörterbuch des Buches. Sechste, grundl. überarb. Aufl. Frankfurt am Main, Vittorio Klostermann 2002. Siebte, grundl. überarb. Aufl. Frankfurt am Main, Vittorio Klostermann 2006.

Keiderling, Thomas (Hrsg.) (2016–): Lexikon der Medien- und Buchwissenschaft. analog / digital. 3 Bde. Stuttgart, Hiersemann (= Bibliothek des Buchwesens 26,1–3). [bisher erschienen Bd. 1-2]

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Non cuivis homini contingit adire Corinthum.